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Wirtschaft

Währungskrieg: China schickt US-Dollar in die Wüste


China läutet das Ende der Dollar-Herrschaft ein

Überraschend schneller Befreiungsschlag. Pekings Notenbank verkündet, dass der gesamte Außenhandel noch dieses Jahr in Yuan abgewickelt werden kann.

Foto: Getty Images/Getty Images AsiaPac - China kann noch dieses Jahr seinen gesamten Außenhandel in seiner eigenen Währung abwickeln. Das wird den Dollar schwächen

Er könne die USA ja verstehen, sagte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan im November, als die amerikanische Notenbank (Fed) beschloss, den Finanzmarkt mit Milliarden weiterer Dollar zu fluten. Denn für die US-Wirtschaft sei die Maßnahme wohl richtig. „Das Problem ist aber: Der Dollar ist die Weltreservewährung“, so Zhou damals. Und für jene Länder, die diese Reservewährung nutzen, sei das Anwerfen der Notenpresse durch Fed-Chef Ben Bernanke eben alles andere als positiv. Es ist eher eine Katastrophe, denn seither explodieren die Preise weltweit.

Nun zieht China die Konsequenzen. Und die Maßnahmen, die nun angekündigt wurden, sind nicht weniger als eine Revolution für die weltweite Währungsordnung. Sie könnte das Ende der Vorherrschaft des Dollar einläuten, und am Ende könnte es die USA ihre Politik des billigen Geldes, die auf andere Länder so wenig Rücksicht nahm, teuer bezahlen.

Alle chinesischen Exporteure und Importeure sollen noch in diesem Jahr die Geschäfte mit ihren ausländischen Partnern in Yuan abrechnen können, teilte die Zentralbank in Peking mit. „Die Marktnachfrage nach einer grenzüberschreitenden Verwendung des Yuan steigt“, erklärte sie. Konkret soll der bisher streng reglementierte Yuan schrittweise in eine frei konvertierbare Weltwährung umgewandelt werden.

Testweise wurde bereits im vergangenen Jahr 67.000 Unternehmen in 20 Provinzen erlaubt, ihre Auslandsgeschäfte in Yuan abzuwickeln. Das Handelsvolumen belief sich dabei auf umgerechnet rund 56 Milliarden Euro. Nun jedoch könnten bald alle Firmen ihre Rechnungen in Yuan ausstellen, und auch im Ausland könnten sie mit ihrer eigenen Währung bezahlen.

Das wäre vor allem ein Schlag gegen den Dollar. Denn bislang handeln chinesische Unternehmen meist in der amerikanischen Währung. Dies führt jedoch dazu, dass die Volksrepublik direkt von den Entscheidungen der US-Notenbank betroffen ist. Beispielsweise bekommt China den steigenden Ölpreis voll ab, da seine Währung bislang weitgehend an den Dollar gekoppelt ist. Europas Währung dagegen legte in den vergangenen Wochen gegenüber dem Dollar deutlich zu, so dass die Preissteigerungen bei Rohstoffen hier nur gedämpft ankommen. Indem China sich nun vom Dollar löst, will es dieser babylonischen Gefangenschaft entkommen, um so den Inflationsdruck zu mindern.

Dass China diesen Schritt irgendwann gehen würde, war allen klar. Überraschend ist jedoch, dass es schon jetzt kommt. Denn die meisten Beobachter hatten bisher eher mit einem Zeithorizont von etwa zehn Jahren gerechnet. Nun könnte es jedoch schneller gehen als gedacht. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank glaubt, dass der Yuan schon innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre konvertibel sein wird.

Das hätte aber nicht nur für China Auswirkungen. Auch die USA dürften davon hart getroffen werden. Denn der Status einer Reservewährung, den der Dollar innehat, führt auch dazu, dass die Notenbank praktisch machen kann, was sie will. Würde ein anderes Land die Notenpresse anwerfen, um so das Haushaltsdefizit zu finanzieren, so hätte dies unweigerlich eine Flucht der Investoren zur Folge. Nicht so dagegen in den USA. Denn der Dollar ist ja gerade die Flucht- und Reservewährung, in die das Geld strömt, wenn anderswo Probleme auftauchen.

Das dürfte sich nun jedoch ändern, wenn der Yuan dem Dollar diese Rolle über kurz oder lang streitig macht. Für die USA hätte dies zur Folge, dass die Regierung nicht mehr so leicht an Geld kommt, dass die Finanzierung des Haushaltsdefizits teurer wird und die Zinsen steigen. Das wiederum dürfte die Konjunktur belasten. Langfristig hätte Ben Bernanke also mit seiner Politik den wirtschaftspolitischen Machtverlust der USA, der durch die Finanzkrise ohnehin schon in Gang gesetzt wurde, nur beschleunigt. Welt Online

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