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Politik

Giftgas, Atomtechnik und Bunker: Wie die Schweiz Ghadhafi aufrüstete


Um mit dem libyschen Revolutionsführer ins Geschäft zu kommen, riet die Schweizer Botschaft in Tripolis Unternehmen zu Gefälligkeiten gegenüber Beamten. Daraus ergaben sich militärische Grossaufträge.

Quelle: Basler

Christian Gander, Chargé d’Affaires der Eidgenossenschaft in Tripolis, machte sich am Morgen des 24. März 1971 auf den Weg ins Industrieministerium. Die Firma Gebrüder Bühler aus Uzwil SG hatte in Libyen eine Getreidemühle bauen wollen und war kurz vor Vertragsabschluss mit den Libyern gewesen. Überraschenderweise erhielt aber eine italienische Firma den Auftrag. Gander sollte nun im Auftrag der Gebrüder Bühler im Industrieministerium nachfragen, was schiefgegangen sei.

Die Antwort des zuständigen Staatssekretärs war deutlich. Die Bühlers hätten in frecher Art und Weise versucht, den «einfachen und gutgläubigen» libyschen Unterhändler Mabruk über den Tisch zu ziehen. Die Libyer machten klar, dass der nächste Besuch Mabruks in Uzwil einen «befriedigenden Ausgang» nehmen sollte und dass der Wirtschaftsminister daran «persönlich interessiert sei». Sonst kriege Bühler nie mehr einen Regierungsauftrag.

Diplomatisch, aber eindeutig

Noch am selben Tag empfahl Gander der Firma Bühler, «neue Wege» zu finden, falls sie von der libyschen Regierung je wieder berücksichtigt werden wolle: «Sollten Sie Mittel und Wege finden, mit Herrn Mabruk zu einer für beide Parteien akzeptablen Regelung zu kommen, müsste dies die Aussichten, in Zukunft die Ausführung libyscher Regierungsaufträge übertragen zu erhalten, zweifellos erhöhen», schrieb Gander diplomatisch und doch eindeutig.

Diplomat Gander hatte Anfang der 70er-Jahre alle Hände voll zu tun. Der Wüstenstaat wollte sich mit einem Fünfjahresplan in einen Industriestaat verwandeln. Geld spielte keine Rolle. Petrodollars flossen reichlich in Spitäler, Strassen, Universitäten, Flughäfen, Fabriken – und nicht zuletzt in militärische Projekte. Nach dem Staatsstreich Muammar al-Ghadhafis 1969 liessen Schweizer Staats- und Wirtschaftsvertreter wenig unversucht, um mit dem revolutionären Libyen ins Geschäft zu kommen, wie diplomatische Depeschen aus dem Bundesarchiv zeigen.

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