$>
you're reading...
Gesellschaft, Medien, Politik

Die BND-Akte ist unvollständig


Adolf Eichmann Younger 1916 Source 参照書籍; Adolf...

Image via Wikipedia

EICHMANN Bettina Stangneths Quellenarbeit dekonstruiert viele Lügen

INTERVIEW RENÉ MARTENS

taz: Frau Stangneth, mit welchen Waffen nähert man sich als Philosophin Adolf Eichmann?

Bettina Stangneth: Ich habe die Dokumente, die wir kennen, mit meinen Methoden noch einmal neu gelesen. Mich interessiert immer die Denkungsart einer Person, kurz gesagt: Wie tickt jemand? Das können Sie herausbekommen, wenn Sie es über die Psychologie versuchen, aber das ist nicht mein Weg. Oder Sie nähern sich jemandem auf der Ebene der Begriffslogik, der Argumentationstechnik, der Manipulations- und Lügentechniken. In dem Moment sagen Ihnen Texte mehr. Das ist mir bei den Argentinien-Papieren, der erklärungsmächtigsten Holocaust-Quelle der Nachkriegszeit, zugutegekommen.

Eichmann hat zwischen 1950 und 1960 in Argentinien gelebt. Woraus bestehen diese Papiere?

Der umfangreichste Teil sind Protokolle einer Gesprächsrunde, die im Haus des nationalsozialistischen Journalisten Willem Sassen stattfand und an der Eichmann teilnahm. Bisher nahezu unbekannt waren aber die Handschriften, die Eichmann allein angefertigt hat.

Können Sie Ihre Arbeitsweise näher beschreiben?

Ich habe die Regel Klaus Oehlers, meines ersten Lehrers in der Philosophie, angewandt. Er hat immer gesagt: Wenn Sie glauben, dass Sie einen Text verstanden haben, lesen Sie ihn noch einmal von hinten nach vorn. So sieht man andere Dinge. Mir fiel auf, dass bei den Sassen-Gesprächen andere Stimmen als die Eichmanns und Sassens auftauchen, andere Denkungsarten und Argumentationstechniken. Darin unterscheiden sich Menschen wie in Ihren Fingerabdrücken.

Wer war in diesen Runden noch dabei?

Eberhard Fritsch, Ludolf von Alvensleben, andere alte Nazis, die in Argentinien lebten. Die Besetzung wechselte.

Wie erklären Sie es sich, dass das vorher nie jemand bemerkt hat?

Zum einen hat Eichmann selbst diese Runden im Prozess in Jerusalem als whiskyselige „Wirtshausgespräche“ abgetan. Das war eine seine zahlreichen Lügen. Er konnte ja schlecht sagen, dass er die zentrale Figur einer einjährigen historischen Tagung war und da jedes Wochenende bis zu zehn Stunden Menschen zusammengesessen haben, die den Nationalsozialismus in der Bundesrepublik wieder aufbauen wollten. Zum anderen sind die Protokolle unerträglich – auch optisch, weil schwer zu lesen. Was mich aber irritiert hat: Niemandem, der die 1998 aufgetauchten Originaltonbänder gehört hat, ist aufgefallen, dass da jemand einen ganzen Vortrag hält, der weder Sassen noch Eichmann heißt. Die Herrschaften haben sich aus Büchern vorgelesen, sogar Referate gehalten.

Wie haben Sie sonst recherchiert?

Ich habe einige zu den Argentinien-Papieren gehörende Dokumente aufgetan, die vorher kein Forscher gesehen hatte. Ein Problem war, dass diese Papiere seitenweise über Archive in mehreren Ländern verteilt sind. Man muss sie zusammensetzen. Außerdem habe ich Nachlässe von Nationalsozialisten ausgewertet. Dazu gehört der Adolf von Thaddens, der die NPD mitgegründet und für den britischen Geheimdienst gearbeitet hat. Dann Briefwechsel zwischen Nazis aus den 50er Jahren und natürlich Interviews mit Zeitzeugen in Europa und Argentinien.

Die Bild-Zeitung hat im Januar eine Karteikarte aus einer erst seit kurzem zugänglichen Akte des BND abgebildet, aus der hervorgeht, dass der Geheimdienst schon 1952 den Decknamen Adolf Eichmanns und seine genaue Adresse kannte. Kennen Sie die Akte?

Ich hatte die Möglichkeit, sie zwei Tage lang durchzusehen, weil Bild-Redakteur Hans-Wilhelm Saure mich zurate gezogen hat. Die Zeitung hat sich zunächst das Recht auf Einsicht erstritten und geht derzeit gegen die Schwärzungen in den Akten vor. Ich war davon ausgegangen, dass, nachdem vorher Gaby Weber, eine andere Journalistin, vor dem Bundesverwaltungsgericht zumindest einen Teilzugang zu den BND-Akten erkämpft hatte, jeder dieses Material einsehen kann. Aber dem ist nicht so. Jeder muss klagen. Ich habe mich, als mich Herr Saure anrief, gewundert, wieso Bild die einzige Zeitung ist, die auf diese Idee gekommen ist. Warum gibt es nicht von jeder großen deutschen Zeitung und Zeitschrift mindestens drei Freigabeklagen gegen den BND, jeweils zu unterschiedlichen Leuten? Dann wollen wir doch mal sehen, wie lange der BND das noch durchhält mit seiner Schwärzungspraxis. Das US-Parlament hat entschieden, die zu Eichmann freigegeben CIA-Akten ins Internet zu stellen. Einiges davon ist zwar bis zur Absurdität geschwärzt – aber immerhin.

Wie schätzen Sie die vorliegende BND-Akte ein?

Sie ist unvollständig und in sich unsystematisch. Wenn man ein Buch geschrieben hat, das „Eichmann vor Jerusalem“ heißt und 656 Seiten hat, und man findet eine BND-Akte, wo genau dieser Zeitraum weniger als 30 Blätter umfasst; wenn man Dokumente des BND bei der CIA gesehen hat, für die es kein Gegenstück in der vorliegenden BND-Akte gibt – dann weiß man, dass etwas fehlt. Würde der BND mit dieser Akte arbeiten, wäre er ein Dilettantenstadl.

Ihr Buch hat bereits vor Erscheinen international für Aufsehen gesorgt, weil Sie einen von Eichmann an Adenauer gerichteten offenen Brief entdeckt haben, der allerdings nicht veröffentlicht wurde. Inwiefern ist der 1956 verfasste Text aufschlussreich?

Er zeigt, dass Eichmann mit seinem relativ guten Leben in Argentinien keineswegs zufrieden war. Er wollte zurück nach Europa – und in der bundesrepublikanischen Tagespolitik mitmischen. Den Brief hätte man seit 1998 finden können. Seitdem liegt er im Bundesarchiv.

Quelle: Dieser Artikel war mir eine Spende Wert und ist bei taz zu finden.

„Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders“. Arche Verlag, Hamburg 2011, 656 Seiten, 39,90 Euro
Bettina Stangneth, geboren 1966, arbeitet als Philosphin in Hamburg. An dem Buch hat sie sechs Jahre gearbeitet

 Adolf Eichmann -Auszug aus Prozess.mp4 (2010)

Leipzig: Werden nun geheime Adolf Eichmann-Akten endlich freigegeben?
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig prüft zur Zeit, ob bis zum derzeitigen Zeitpunkt geheim gehaltene Akten (cirka 4.500 Seiten) zum Fall Adolf Eichmann in naher Zukunft freigegeben werden. Der Geheimdienst Deutschlands hat bislang immer versucht, die Freigabe zu verhindern.
Die Geheimdokumente sollen angeblich offenbaren, wer ihm bei der Flucht behilflich war und wer Eichmann letztendlich vor den Justizbehörden versteckte.

Der BND befürchtet nun, dass eine Freigabe der Geheimakten zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen der BND und einen nicht gewollt genannten Geheimdienst führen könnte. Der Amerikanische Geheimdienst wurde aber ausgeschlossen. Experten vermuten nun dass der Mossad gemeint ist.
Warum solch eine Offenbarung aber zur Unstimmigkeit führt bleibt offen und die Frage ist …was wurde vertuscht ? und wie sehr wurden die Gesetze umgangen? Einen Auszug aus dem Verhör Adolf Eichmanns finden sie hier….

Das Verfahren gegen den „Architekten des Holocaust“

Vor 50 Jahren begann in Jerusalem unter großem Interesse der Medien der Prozess gegen den „Architekten des Holocaust“, Adolf Eichmann. Am Ende des Verfahrens sprach das Gericht das bis heute einzige vollstreckte Todesurteil in Israel aus. Das Verfahren hatte eine große Bedeutung für den jungen Staat.

Von Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

„Ein mittelgroßer Mann, im fortgeschrittenen Stadium der Kahlköpfigkeit, eine dunkle Brille mit starken Gläsern“, setzt Netzer seine nüchterne Beschreibung des Mannes fort, der „Architekt des Holocaust“ genannt wird. Der Prozess gegen ihn findet unter weltweitem Medieninteresse statt. Hunderte Journalisten sind angereist.

Dann der Prozessbeginn: „Oberrichter Landau eröffnet das Verfahren mit der Frage: Sind sie Adolf Eichmann?“ berichtet Netzer, und die Radiohörerschaft hört Eichmann antworten: „Jawoll.“

Große Bedeutung der Staatsgründung Israels

„Der erste Moment dieses Prozesses. Wie diese Richter in den Saal kamen, mit dem israelischen Wappen hinter sich, und dieser Mann, dessen einziges Bestreben es war, dieses Volk vollständig zu vernichten – wie der aufstand und Haltung annahm vor einem souveränen israelischen Gericht. Die Bedeutung der Errichtung des Staates Israel war mir in diesem Moment klarer als in irgendeinem Moment, der da vergangen war“, berichtet Gabriel Bach. Er flüchtete 1940 vor den Nazis aus Berlin, gemeinsam mit seiner Familie ging er nach Palästina. 1961 war er einer von drei Staatsanwälten im Verfahren gegen Eichmann. Die Anklage lautet unter anderem auf Verbrechen gegen das jüdische Volk, gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.

Es ist der 11. April 1961. Der ARD-Hörfunkkorrespondent Hans-Joachim Netzer berichtet vom Prozessauftakt in Jerusalem: „Es lag eine Stimmung nervöser Erwartung über dem Gerichtssaal, eine ungeduldige Spannung, die eines besseren Ereignisses wert gewesen wäre, als es das Erscheinen Adolf Eichmanns vor rund 750 Beobachtern heute Morgen war.“ Der Angeklagte: Adolf Eichmann, ehemaliger SS-Obersturmbannführer im Reichssicherheitshauptamt, dort verantwortlich für Deportation und Ermordung der europäischen Juden. Protokollführer der Wannsee-Konferenz, in Argentinien unter dem Namen Ricardo Klement untergetaucht, von Mossad-Agenten dort 1960 entführt und nach Israel gebracht. Weiterlesen bei tagesschau.de

Biographie:

Adolf Eichmann

SS-Führer

1906 19. März: Adolf Eichmann wird als Sohn des Buchhalters und Firmenbesitzers Adolf Eichmann und dessen Ehefrau Maria (geb. Schefferling) in Solingen (Rheinland) geboren.

1914 Umzug der Familie nach Linz (Österreich).
1919-1921 Besuch der „Höheren Bundeslehranstalt für Elektrotechnik, Maschinenbau und Hochbau“ in Linz. Eichmann verläßt die Anstalt ohne Abschluß.
1923-1932 Tätigkeit als Bergarbeiter in der Untersberger Bergbaugesellschaft seines Vaters, als Verkäufer beim „Oberösterreichischen Elektrobau“ und als Vertreter der „Vacuum Oil Company“ in Wien.
1927 Beitritt zum deutsch-österreichischen Frontkämpferbund.
1932 1. April: Eichmann wird Mitglied der österreichischen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und der Schutzstaffel (SS).
Aufgrund des österreichischen NSDAP-Verbots Übersiedlung nach Deutschland, wo er in Bayern eine vierzehnmonatige militärische Ausbildung durch die SS erhält.
Eichmann wird in den Sicherheitsdienst (SD) aufgenommen.
ab 1934 1. Oktober: Referententätigkeit im SD-Hauptamt Berlin, Referat II 112 („Referat Juden“). Eichmann informiert sich über Mittel und Wege, die erzwungene Emigration der jüdischen Bevölkerung zu forcieren. Er erwirbt oberflächliche Kenntnisse des Hebräischen und Jiddischen und nimmt Kontakt mit Zionistenführern auf.
1938 Versetzung als Referent in die Dienststelle des SD-Führers beim SS-Oberabschnitt Donau.
August: Eichmann organisiert die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ in Wien, die einzige NS-Stelle, die ermächtigt ist, österreichischen Juden Ausreisegenehmigungen zu erteilen. In weniger als eineinhalb Jahren verlassen 150.000 Juden zwangsweise das Land.
1939 Oktober: Er übernimmt die Leitung der von Reinhard Heydrich im Juni eingerichteten „Reichszentrale für jüdische Auswanderung“ in Berlin. Eichmann ist an den Planungen zur Zwangsumsiedlung der Juden in das Generalgouvernement beteiligt.
Dezember: Er erhält das Referat IV B 4 („Referat Auswanderung und Räumung“) des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) in Berlin, Kurfürstenstraße 115/116. Eichmann wird zur zentralen Figur der Deportationen von über 4 Millionen Juden in die Ghettos und Konzentrationslager.
1941 9. November: Beförderung zum SS-Obersturmbannführer.
Eichmann reist erstmals nach Auschwitz. Weitere Besichtigungen der Vernichtungslager folgen.
1942 20. Januar: Er führt Protokoll auf der Wannsee-Konferenz.

1944 März: Als Führer eines Sonderkommandos organisiert Eichmann in Budapest die Deportation ungarischer Juden nach Auschwitz.

1945 Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gelingt ihm die Flucht aus der amerikanischen Internierungshaft.

1945-1950 Mit gefälschten Papieren lebt Eichmann in Deutschland. Er arbeitet zeitweise als Holzarbeiter in der Lüneburger Heide.

1950 Eichmann emigriert über Italien nach Argentinien, wo er unter dem Namen Ricardo Klement in Buenos Aires lebt. Seine Frau Vera (geb. Liebl) folgt ihm wenig später mit ihren drei Söhnen. Er erhält eine Anstellung als Leiter einer Unterabteilung bei Daimler-Benz.

1960 11. Mai: Nach monatelanger Beobachtung nimmt der israelische Geheimdienst Eichmann fest. Er wird neun Tage später nach Israel entführt, da zwischen Argentinien und Israel kein Auslieferungsabkommen besteht.

1961 April-Dezember: Eichmann-Prozeß in Israel. Er bekennt sich nicht schuldig im Sinne der Anklage und beruft sich auf Befehle von Vorgesetzten. Eichmann wird in erster und zweiter Instanz zum Tode verurteilt.

1962 1. Juni: Das Todesurteil wird im Gefängnis Ramleh bei Tel Aviv an Adolf Eichmann vollstreckt.

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/EichmannAdolf/

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Member of The Internet Defense League

Kalender

Kategorien

Archiv

Legal Guide For Bloggers

Bloggers' Rights at EFF

Interessantes

Link Anonymizer

Independent Tests of Antiv-Virus Software

BSD Aktuell

Hacker News

Blog Stats

  • 260,044 hits

Haftungsausschluss

disclaimer

%d Bloggern gefällt das: