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Politik, Umwelt, Wirtschaft

Störfall im japanischen Atomkraftwerk Tsuruga


Location of Tsuruga in Fukui

Image via Wikipedia

Ein erneuter Störfall in einem Atomkraftwerk beschäftigt Japan. Aus dem Reaktor Tsuruga II in der Präfektur Fukui tritt nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo Radioaktivität aus. In der Provinz, knapp 400 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima entfernt, findet sich mit vier Atomkraftwerken und 13 Reaktoren weltweit die größte Atomkraftwerksdichte.

Die Westküste war von dem Erdbeben und Tsunami aber nur schwach betroffen. Nach Angaben von Kyodo wurden aber nun auch in Tsuruaga II erhöhte radioaktive Werte von Iod-133 sowie von Xenon gemessen. Der Betreiber, die Japan Atomic Power Company (Japco), fährt deshalb den Reaktor herunter, um die Kühlsysteme weiter zu untersuchen. Anders als Tsuruga I und die Meiler in Fukushima, handelt es sich in diesem Fall um einen Druckwasserreaktor.

Was genau in dem Atomkraftwerk vor sich geht, ist völlig unklar. Bisher werden lediglich Vermutungen angestellt, dass eine fehlerhafte Umhüllung eines oder mehrerer Brennelemente der Grund für den Störfall sein könnte. Bekannt ist aber, dass der Betreiber Japco im Verheimlichen von Störfällen schon geübt ist, denn mindestens in einem Fall ist Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk entwichen, was Japco versuchte, unter den Teppich zu kehren. Probleme mit Atomkraftwerken in Fukui waren auch schon vor dem 11. März bekannt. Und betrachtet man die Informationspolitik der Regierung beim Super-Gau in Fukushima, dann ist ohnehin zu erwarten, dass sie erneut alles tun wird, um die Probleme in Tsuruga klein zu reden oder zu verheimlichen. Angesichts der extremen Abhängigkeit von Atomstrom, wird die Stromversorgung im Land aber mit der Abschaltung eines weiteren Meilers noch prekärer, womit sich die Wirtschaftskrise in Japan weiter verschärfen dürfte.

Informationspolitik hat sich nicht verändert

Dass die ständig beschworene Transparenz der Regierung weiter nicht Realität wird, zeigt sich auch daran, dass die japanische Regierung die 20 Kilometer-Sperrzone um Fukushima herum erwartungsgemäß nun dazu benutzt, um vor allem unabhängige Messungen der weiter austretenden Radioaktivität zu behindern. Das hat Greenpeace bekannt gegeben. Dass es ihr um den Schutz der Bevölkerung nicht geht, die in einer Zone von bis zu 80 Kilometer einer stark erhöhten Strahlung ausgesetzt wird, ist ebenfalls längst deutlich geworden und wird durch neue Messungen bestätigt.

Aus Kritik an der Regierungspolitik ist inzwischen auch Toshiso Kosako zurückgetreten. Der Professor für atomare Strahlung der Universität Tokio war im März von Ministerpräsident Kan als Berater ernannt worden. Kosako will nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Regierung den für ihn unangemessenen Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr für Grundschulen in der Nähe von Fukushima festgesetzt hat. „Ich kann das als Wissenschaftler nicht zulassen“, sagte er auf einer sehr ungewöhnlichen japanischen Presskonferenz, in der Kosako in Tränen ausbrach. Derlei Emotionen öffentlich zu zeigen, ist genauso ungewöhnlich wie seine offene Kritik an der Regierung. „Es erscheint mir, als ziele die Reaktion der Regierung lediglich darauf ab, sich Zeit zu verschaffen.“ Auch er warf der Regierung mangelnde Transparenz bei der Strahlungsmessung vor und kritisiert auch die Anhebung der Grenzwerte für die Beschäftigten im havarierten Atomkraftwerk.

Verschuldung des Landes wächst weiter

Und dass man es in Japan mit den Kontrollen auch beim Export von Produkten offensichtlich nicht so genau nimmt, hat sich nun in Chile gezeigt. Dort weigern sich Hafenarbeiter im Hafen von Iquique die Ladung eines Frachtschiffs zu löschen. Bei den etwa 2000 Gebrauchtwagen aus Japan wurde eine erhöhte Strahlung festgestellt. Dabei wurden sie in Yokohama geladen, das weit entfernt von der angeblichen Einflusszone von Fukushima liegt. Natürlich wird sowohl in Tsuruga, als auch in Chile oder in Fukushima erklärt, dass die Radioaktivität für den Menschen ungefährlich sei. Dass nun verstrahlte Güter aus Japan im Ausland aufgetaucht sind, wird aber weltweit die Vorbehalte gegen japanische Produkte verstärken und ebenfalls die Wirtschaftskrise der Exportnation weiter verschärfen.

Und derweil steigt die ohnehin enorme Verschuldung des Landes weiter an. Damit kommt das Land der aufgehenden Sonne immer gefährlicher an den Rand einer Staatspleite. Das Parlament in Tokio hat am Montag einen Nachtragshaushalt verabschiedet. Weitere 33 Milliarden Euro sollen aufgenommen und für Wiederaufbauarbeiten eingesetzt werden. Gebaut werden sollen unter anderem Häuser für mehr als 100.000 Menschen und zudem braucht es viel Geld, um Schutt und Trümmer nach dem Erdbeben und dem Tsunami zu beseitigen. Dass auch aus der Atomkatastrophe hohe Kosten auf die Staatskasse zukommen, ist ohnehin längst klar. von Ralph Streck Telepolis

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