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Anonymous, Medien

„Anonymous ist, was die Leute daraus machen“


Nach dem kurzen Aufreger über Fokus Online hat sich doch noch ein etabliertes Magazin gefunden das etwas sachlicher über Anonymous berichtet. Aber aufgepasst, es ist keins der Propaganda-Blätter die man jeden Tag zu Gesicht bekommt. Respekt also vor der Financial Times über einen gut lesbaren Bericht!

Mit gezielten Aktionen bringt das Internetkollektiv Anonymous Webseiten von Unternehmen wie Mastercard oder Visa zum Absturz. Nur wenige Mitglieder sind namentlich bekannt. Der „inoffizielle Sprecher“ der Bewegung, Gregg Housh, über den Reiz der Webgemeinschaft und wer in den Fokus gerät.

Mr. Housh, beschreiben Sie bitte Anonymous in ein paar Sätzen für Leute, die keine Ahnung von Computern oder dem Internet haben.

Das würde sich etwa so anhören: Anonymous ist eine Idee. Das Wort an sich bedeutet, dass die Leute bei dem, was sie tun, unerkannt bleiben wollen. Anonymous ist ein Kollektiv, dass auf verschiedene Dinge reagiert: Sei es auf eine Sekte, die das Leben ihrer Mitglieder zerstört, oder jemanden aus dem Internet, der eine Lektion lernen muss.

Völlig unterschiedliche Menschen auf der ganzen Welt fühlen sich Anonymous verbunden – wie bildet sich da ein Gemeinschaft? 

Es ist sehr leicht, unter der Flagge von Anonymous zu segeln. Es gibt keine Eintrittsbarrieren, keinen Türsteher der dir sagt, dass du draußen bleiben musst. Viele der Leute haben verschiedene Ziele und verschiedene Methoden, um sie zu erreichen. Die Kraft von Anonymous ist, dass jeder den Namen als Banner benutzen kann.

Ist Anonymous nur eine Modeerscheinung, oder ein Modell für Protestbewegungen der Zukunft?

Es gibt Anonymous seit knapp sechs Jahren, und ich sehe nicht, dass es bald verschwinden wird. Es ist schwer zu beurteilen, inwiefern die Idee von Anonymous in Zukunft eine Masse von Menschen anziehen wird. Aber das, was jetzt passiert, wird das Wesen künftiger Proteste beeinflussen.

Stellen Sie eine Entwicklung fest, weg vom reinen Spaß hin zu politischem Protest?

Anonymous gibt keinesfalls den Spaß an der Sache auf. Wir sprechen hier nicht von einer Gruppe, die sich als Gesamtheit ändern könnte. Anonymous ist, was immer die Leute daraus machen. Einigen geht es nur ums Vergnügen, anderen nicht – niemand von ihnen ist deswegen mehr Anonymous als der andere. Aber ich würde sagen, dass die politischen Proteste zuletzt unglaublich zugenommen haben.

Sie sind einer von wenigen bei Anonymous, die namentlich bekannt sind. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als „inoffizieller Sprecher“?

Scientology hat meine Identität öffentlich gemacht und mich verklagt. Seitdem bekomme ich oft Anfragen von Medien, die keine anonymen Quellen zitieren wollen. Viele Berichte über Anonymous enthalten Fehler oder sind einfach komplett falsch – ich beantworte Fragen, damit das nicht mehr passiert. Wichtig ist aber, dass ich nicht Anonymous bin. Ich unterstütze sie, wenn ich kann, aber ich bin nie Teil von illegalen Aktionen. Aber ich stimme überein mit den meisten Dingen, die sie tun.

Wie können Unternehmen vermeiden, Ziel von Anonymous zu werden?

Unternehmen sollten sich anschauen, wie Anonymous in der Vergangenheit reagiert hat, und daraus lernen. Das bedeutet: Unterdrücke keine Menschen, vermeide unnötige Zensur. Achte darauf, wie das Internet auf deine Handlungen reagiert, finde heraus, wie du Leuten vor den Kopf gestoßen haben könntest, und arbeite an einer Lösung. Die Firmen sollten nicht mit der Polizei oder mit Anwälten reagieren, sondern sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen. Es wird immer Leute geben, die ihnen erklären, was sie falsch gemacht haben und wie sie sich aus dem Fokus von Anonymous ziehen können.

Was könnten die nächsten Ziele von Anonymous sein?

Das kann man wirklich nicht sagen, weil das Kollektiv meistens auf Vorfälle reagiert. Etwas passiert, und Anonymous springt darauf an – oder eben nicht.

Glauben Sie, dass Regierungen westlicher Staaten Ziel von Anonymous werden könnten, etwa durch Verschärfung der Kontrollen im Internet?

Absolut. Das braucht man gar nicht in Frage zu stellen, das passiert mit Sicherheit.

von Matthias Lambrecht und Eike Radszuhn – Financial Times

http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:webangriffe-anonymous-ist-was-die-leute-daraus-machen/60063365.html

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