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Gesellschaft, Politik, Wirtschaft

USA: Auf die Droge Schulden folgt der kalte Entzug


„Also, es besteht leider kein Zweifel mehr, Sie sind vergiftet worden.“ „Womit denn, um Himmels willen?“ „Keine Sorge, das werden wir bei der Obduktion feststellen… .“

Der Patient USA ist zwar noch nicht im Koma aber geradewegs auf dem Weg dahin. Schadenfreude? Ja und Nein. Die USA hat sich in den letzten Jahren überwiegend mit dem Militär und den Ausbau von Überwachungsmaßnahmen beschäftigt, dass sie völlig die Realität und die Probleme im Alltag vergessen haben. Das Dumme ist, dass viele Länder die USA als Vorbild genommen haben. Nun sieht man wohin so etwas führen kann, wenn man die komplette Wirtschaft nur auf die Bedürfnisse von wenigen stellt. Die USA haben sich darauf verlassen mit ihre Vormachtstellung alles zu kontrollieren auch die Ratingagenturen – das war ein Irrtum…

Was kommt in der Zukunft? Klar ist, dass dieses katastrophale Ergebnis ein Umdenken in vielen Ländern haben wird. Sie müssen wieder auf den Boden zurückgeholt werden. Es gibt keine Überflieger auch wenn man das gerne hätte. Das Augenmerk wird sich verstärkt nach China richten, denn die ersten Schritte sind schon getan. China ist gerade dabei ein Paket für die USA zu schmieden. Sollte die USA darauf eingehen, hat man nicht nur ihre Unabhängigkeit aufgegeben sondern auch ihre Selbstständigkeit. Schlimmer geht’s nimmer.

Auf die Droge Schulden folgt der kalte Entzug Jan Dams über die gesenkte Bonitätsnote der USA und die Lehren für Deutschlands Politik

Berlin (ots) – Was haben die Europäer in den vergangenen Monaten geschimpft, wenn ihnen die drei großen Ratingagenturen mit einer Herabstufung drohten. Und immer schwang dabei die Unterstellung mit, den Bonitätsprüfern – drei Unternehmen amerikanischer Herkunft – ginge es nur darum, Europa und damit den Euro klein zu halten. Hinter vorgehaltener Hand wurden Verdächtigungen geäußert, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch handelten möglicherweise sogar im Auftrag der amerikanischen Regierung, um von den Problemen daheim abzulenken. Für solche böswilligen Unterstellungen gibt es nun keinen Grund mehr. Standard & Poor’s, die wohl wichtigste unter den drei Konkurrenten, hat den USA die Spitzennote entzogen.

Amerika verliert nach sieben Jahrzehnten nicht nur sein „AAA“-Rating. Schlimmer noch, mit einem negativen Ausblick versehen, bedeutet das neue Bonitätsurteil auch, dass die Amerikaner das bislang als sicher geglaubte Spitzenprädikat so schnell nicht wiederbekommen werden. Die größte Wirtschaftsmacht der Welt rangiert damit in ihrem finanzpolitischen Status auf dem Niveau von Neuseeland und dem politisch völlig zerstrittenen Belgien – alles Länder, die im direkten Vergleich auffällig zweitklassig wirken.

Trotzdem fällten die Bonitätsprüfer ihr Urteil völlig zu Recht. Denn am Ende ist es nicht allein die horrende Staatsverschuldung der USA, die zu der neuen Einschätzung führte. Und es sind auch nicht nur die schwache Wirtschaftslage jenseits des Atlantiks und die hohen Lasten für die noch immer laufenden Konjunkturpakete dort. Was Amerika das „AAA“ gekostet hat, ist die Zerstrittenheit seiner Politik. Dass es in Washington einflussreiche Entscheidungsträger gibt, die bereit waren, ihr Land durch einen absichtlich herbeigeführten Zahlungsausfall ins finanzpolitische Chaos zu stürzen, hat die USA Vertrauen gekostet.

Kein Beobachter hätte sich am Ende des Streits über die Erhöhung der Schuldengrenze noch gewundert, wenn die Anhänger der Tea-Party-Bewegung den Staat in die Pleite getrieben hätten, nur um dem gewählten Präsidenten zu schaden. Deshalb sind die USA durchaus mit dem politisch ebenso zerstrittenen Belgien zu vergleichen. Ein Staat, dessen Politik bereit ist, den Gläubigern nicht die ausstehenden Schulden zu bezahlen, hat keine bessere Bonitätsnote verdient. Schließlich ist diese nichts weiter als das in Buchstaben gegossene Urteil über die Zahlungsfähig- und Zahlungswilligkeit des Schuldners.

Auch in Deutschland sollte man sich die Ereignisse in den USA genau angucken.Investoren verborgen ihr Geld einfach nicht mehr, wenn sie erst an der Kreditwürdigkeit eines Landes zweifeln. Nicht nur in Griechenland werden die Menschen ihre Ansprüche senken. Auch die Deutschen müssen lernen, dass Politik nicht mehr darin bestehen kann, jede Bevölkerungsgruppe mit immer neuen Wohltaten zu beglücken. Das wird wehtun und zu Verteilungskämpfen führen.

Denn ein Land, das wie Deutschland 40 Jahre über seine Verhältnisse gelebt hat, wird sich bei diesem Politikwechsel wie ein Junkie auf kaltem Entzug fühlen. Eine Alternative dazu aber gibt es nicht, wenn wir diesen Staat nicht irgendwann ruinieren wollen.

Pressekontakt:

BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

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