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Datenschutz, Gesellschaft, Politik

Weltweite Lesung / Worldwide Reading Edward Snowden


imageDas internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft alle Menschen, Institutionen, Schulen und Medien, denen Freiheit und Bürgerrechte wichtig sind, zur Teilnahme an einer weltweiten Lesung für Edward Snowden am 8. September 2014 auf. Vorgetragen werden Texte zum Thema Überwachung.

Am 6. Juni 2013 veröffentlichte der „Guardian“ den ersten einer langen Reihe von Artikeln über die weltweit von Staaten und Unternehmen betriebene Massenüberwachung. Im Zentrum standen die amerikanische National Security Agency (NSA) und der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ). Nach wie vor werden Informationen aus den höchst vertraulichen Akten dieser Agenturen publiziert. Sie zeigen, dass Millionen unschuldiger Bürgerinnen und Bürger als Verdächtige digital verfolgt werden.

Daten aus unseren Telefongesprächen, Online-Chats, SMS, Websuchen und der Nutzung der sozialen Medien – also all das, was Teil unseres täglichen Lebens ist – werden gesammelt, analysiert und gespeichert. Es war ein Einzelner, der diesen schockierenden Verrat an der Privatsphäre aufdeckte: Sein Name ist Edward Snowden. Zunehmend desillusioniert und alarmiert angesichts des Ausmaßes der Überwachung und der illegalen Methoden, die zum Erkenntnisgewinn eingesetzt wurden, realisierte der ehemalige NSA-Mitarbeiter, dass er „nicht in einer Welt leben möchte, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Das will ich weder unterstützen, noch selbst erleben.“ Nach erfolglosen Versuchen, das System von innen heraus zu verändern, sah sich Snowden gezwungen, den einzig anderen Weg zu gehen, der es möglich machte, die Aufmerksamkeit auf diese massiven Rechtsverstöße zu lenken: Whistleblowing.

Snowden wusste, dass er seine Freunde, seine Familie und sein Land vielleicht nie wiedersehen würde. Dennoch gab er sein bequemes Leben auf und verließ die USA. Bei sich hatte er nur vier Laptops, auf denen sich einige der geheimsten Dokumente der NSA befanden. Dank sorgfältiger Kooperation mit verantwortungsbewussten Zeitungen konnten diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Sie lösten die längst fällige globale Diskussion über Demokratie und Menschenrechte im digitalen Zeitalter aus. Unternehmen gerieten wegen ihrer skrupellosen Verwertung von Kundendaten ins Blickfeld. Bürgerinnen und Bürger weltweit wachten auf und nahmen zur Kenntnis, dass es ohne Datenschutz keine Freiheit gibt: Sie forderten das Recht auf ein Leben ohne permanente Beobachtung. In der Konsequenz sahen sich die Regierungen aller Lände gezwungen, ihre Überwachungssysteme zu überprüfen. Einige mussten zugeben, dass sie mit der NSA zusammenarbeiteten. Schon bald nach der Veröffentlichung der ersten Leaks enthüllte Edward Snowden seine Identität, um andere vor falschen Anschuldigungen zu schützen: „Ich will mich nicht verstecken“, sagte er. „Ich weiß, dass ich nichts Falsches getan habe.“

Das ilb unterstützt diese Feststellung und fordert alle Bürgerinnen und Bürger auf, das Gleiche zu tun und sich an der weltweiten Lesung für einen Mann zu beteiligen, der der Menschheit einen großen Dienst erwiesen hat. Mit dieser weltweiten Lesung fordern wir die US-amerikanische Regierung auf, anzuerkennen, dass Edward Snowdens Enthüllungen für die Bewahrung der Demokratie im digitalen Zeitalter von essenzieller Bedeutung sind und dass sein Handeln vom Universal Unwritten Rule of the Ethical Right gedeckt ist. Washington muss alle Beschuldigungen und rechtlichen Schritte gegen Snowden zurücknehmen, damit er als freier Mann und in Sicherheit nach Hause zurückkehren kann. Wir fordern, dass die Mitgliedstaaten der EU, in Anerkennung der Bedeutung seiner Enthüllungen, Edward Snowden Asyl gewähren – mindestens so lange, bis die amerikanische Regierung die Klagen gegen ihn zurückgezogen hat. Und schließlich bitten wir das Nobelkomitee, Edward Snowden für den Friedensnobelpreis in Betracht zu ziehen – in Anerkennung seines einzigartig selbstlosen Einsatzes im Dienste der Demokratie, der Freiheit und des Friedens für uns alle.

Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie teilnehmen wollen, unter folgender E-Mail-Adresse: worldwidereading(at)literaturfestival.com

Quellen:

http://www.literaturfestival.com/programm/reflections/2014/weltweite-lesung-fuer-edward-snowden

http://www.worldwide-reading.com/archiv/08-09-2014-weltweite-lesung-fuer-edward-snowden

http://www.wdr5.de/sendungen/scala/lesung_snowden100.html

(english) http://www.literaturfestival.com/aktuelles-en/liberty-and-recognition-for-edward-snowden-worldwide-reading-on-september-8th-2014

ILB_14_0002_Plakata_Snowden_V5_1108_print (PDF Download)

Diskussionen

4 Gedanken zu “Weltweite Lesung / Worldwide Reading Edward Snowden

  1. Ich bedanke mich für Ihre ausgewogene Antwort.
    In Ihrem letzten Absatz wird allerdings ein wichtiges Missverständnis reflektiert: Ich stehe in dieser Sache auf
    k e i n e r „Seite“; das Essay war der Versuch einer sachlichen, rationalen Betrachtung.
    Wogegen ich mich klar ausspreche, ist die Heuchelei (oder echte Ignoranz), man hätte dies alles erst durch Snowden erfahren.

    Ich halte es allerdings für eine bedenkliche Rhetorik, wie Sie aus meinem Artikel ableiten, ich würde „…Das Recht von Behörden ohne richterliche Genehmigungen kritisierende Bürger einzusperren“ befürworten.

    Wenn Sie vom Kampf für Bürgerrechte sprechen, denke ich zunächst an die Abschaffung unseres Parlamentarismus, Änderung des Wahl-und Parteienrechts und schließlich unser aufdiktierten Verfassung. Danach wären die Bürger mündiger und könnten ihre eigenen Rechte besser verteidigen – auch gegen schnüffelnde Beamte.

    Verfasst von alphachamber | September 7, 2014, 3:42 pm
  2. Lächerlicher und manipulierter Populismus um Snowden. Das ist besser:
    http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2014/06/06/das-recht-auf-der-spionage-3/

    Verfasst von alphachamber | September 7, 2014, 10:26 am
    • Vielen Dank für den Link. Ich versuche möglichst Neutral die Informationen wiederzugeben. Klar, dass es nicht jedem gefällt und jeder einzelne ist „anders“ gestrickt. Das hat mit Populismus nichts zu tun sondern mit der Art und Weise wie unsere privaten Daten missbraucht werden. Ob Snowden ein Held ist? Nun ich kann es nicht sagen er war ja auch auf der anderen Seite – viele sind der Meinung das er es ist.

      Ich habe mir jetzt ihren Beitrag „durchgelesen“ und muss sagen das er seht gut geschrieben ist. Aber: Sie befürworten für den Schutz der Bevölkerung die Spionagetätigkeiten. Dem kann ich nur zu einem bestimmten Grad zustimmen. Sie vergessen aber das weitaus wichtigere Problem was nicht als selbstverständlich angesprochen wird, nämlich die Entwendung durch die Wirtschaft entwickelten Technologien um für die eigene Wirtschaft einen Vorteil zu erzielen. Ist in der Vergangenheit schon passiert, hier ein Beispiel es gibt genug andere:

      http://www.versicherungsbote.de/id/89486/Wirtschaftsspionage-durch-amerikanischen-Geheimdienst-NSA/

      jeder wählt eine Seite die der anderen Schadet, sie definieren die Legitimation der Spionage und gleichzeitig Verurteilen das genau diese Taktik Herr Snowden genutzt hat um die Massen zu Informieren. Das er Unrechtmäßig an diese Informationen herangekommen ist (was Sie in ihrem Artikel wiedergeben) gilt für die andere Seite als Unrecht.
      Nun, wenn Sie glauben auf der Seite des Rechts zu stehen befürworten Sie sicherlich auch das Recht von Behörden ohne richterliche Genehmigungen (Gott sei Dank noch nicht in Deutschland) Kritisierende Bürger einzusperren. Ist das die Art wie Sie in Zukunft Leben wollen? Wer soll den Kampf bei dem es um die grundsätzlichen Freiheitsrechte geht denn führen wenn keiner mehr da ist um zu kämpfen?

      Verfasst von sem | September 7, 2014, 11:08 am
  3. Ich teile gleich mal …

    Verfasst von AlterKnacker | September 6, 2014, 4:08 pm

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