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Netzwelt, Politik

Routerzwang: unzeitgemäß und verbraucherfeindlich


Herbert A. * kann es nicht fassen. Seit 5 Tagen kämpft er vor seinem Rechner mit einem Problem und findet einfach keine Lösung. Sein Rechner ist mit Viren und Trojanern verseucht. Um das Problem zu lösen verbrachte er Tage in verschiedenen Foren um in dieser Sache Herr zu werden. Es gelang zwar den Rechner zu säubern aber kurze Zeit später ging es wieder von vorne los.
In den letzten fünf Tagen hatte er drei mal eine Neuinstallation durchgeführt und trotzdem wird sein Rechner wieder verseucht sobald er ins Web geht. Darum entschließt er sich einen Experten zu Rate zu ziehen um sein Problem zu lösen. Zum Glück ist ein guter Freund zur Stelle der als „Nerd“ bekannt in so ziemlich jede Ecke des Internets zu Hause ist.
Nach einer Analyse mit div. Hilfs-, Protokoll- und Netzwerkprogrammen ist er dem Problem schnell auf der Schliche gekommen. Mit Hilfe einer bekannten Penetrationssoftware hat er das komplette Netzwerk (mehrere Rechner) von Herbert A. eingehend unter die Lupe genommen. Er stellt fest, das eine Lücke in der Firmware des Routers im Heimnetz ausgenutzt wurde. Die Trojaner befanden sich auf mehreren Rechnern im Netz so das es kaum eine Möglichkeit gab diese vollständig zu entfernen. Der Anbieter hatte es nämlich versäumt das Update des Herstellers das bereits seit 2 Monaten zur Verfügung steht, einzuspielen.

* Herbert A. ist eine fiktive Person

So, oder so ähnlich könnte ein Fall aussehen in dem ein Nutzer wie Herbert A. durch Versäumnisse seines Providers nicht nur einen Datenverlust erleidet, sondern er muss damit Rechnen das Passwörter, Dokumente oder gar Bankzugänge sich bereits in den Händen von Kriminellen befinden. Für den Schaden muss der Kunde Haften. Die Bundesnetzagentur liefert dafür die Vorlage das Telekommunikationsanbieter weiterhin dem Kunden ihre „Billig“-Router aufzwingen können.

Warum?

Die Verwaltung unterschiedlicher Router (und Hersteller) ist bei den Zugangsanbietern mit hohen Kosten verbunden. Sie müssen einen Support bereitstellen der bei Problemen helfen soll.  Der Kunde wird also mit einem Router versorgt der in den meisten Fällen nicht nur technisch gegenüber den auf den Markt üblichen Routern hinterherhinken, sondern zeichnen sich ebenfalls durch fehlende Sicherheitsfeatures und begrenzten Funktionsumfang aus. Die Zugangsdaten werden bei solchen Verträgen oft nicht ausgegeben und sorgen dafür, dass dem Kunden keine Wahl bleibt als das Gerät zu nutzen was man ihm „aufgezwungen“ hat.
Natürlich gibt es auch Nutzer die mit diesem Vorgehen zufrieden sind, sie müssen nichts tun, der Support und die Aktualisierung der Geräte erfolgt automatisch – meist zu Zeitpunkten, wo eine Netzwerkunterbrechung ungelegen kommt. Andere wiederum sind überhaupt nicht damit einverstanden, das die Anbieter ihre Befugnisse bis zu den Geräten im eigenen Heimnetzwerk ausweiten.

Diese Entwicklung schadet der Wirtschaft ungemein. Innovation gehen verloren (oder finden nicht statt) weil es dafür keinen Nährboden gibt. Den gibt es nicht, weil die Router-Hersteller sich auf die Bedürfnisse der Zugangsanbieter anpassen müssen. Hinzu kommt noch, dass Verträge mit einem bestimmten Hersteller andere dabei zu kurz kommen oder gar die Produktion innovativer Geräte aufgeben.

Und noch ein wichtiger aber entscheidender Punkt verhindert, dass die Gesetzesvorlage nicht so ausfällt wie man es sich wünscht. Wo endet die Zuständigkeit des Zugangsanbieters, an der Dose oder an dem mitgelieferten Netzwerkgerät?  Hier muss das Telekommunikationsgesetz entsprechend geändert und klar definiert werden.

Was wir fordern ist ganz simpel:

1: Die Zuständigkeit von Zugangsanbietern muss an der Netzdose enden. Eine Verlagerung von Geräten in mein privates Netzwerk habe ich nicht gestattet und möchte das die Bundesregierung entsprechend darauf reagiert.
2: Die Wahl des Netzwerkgerätes muss beim „zahlenden“ Kunden liegen. Eine Option einen vergünstigten Router vom Zugangsanbieter zu erhalten steht dabei nichts im Wege.
3: Die Zugangsdaten müssen unabhängig von der Gesetzesvorlage umgehend dem Kunden übergeben werden.

Ein Nutzer aus Golem.de

Das Problem ist der Zwang.
Ein „Du kannst den von uns verwalteten Router haben, dann hast du keine Arbeit“ ist super. Aber ein „du musst den von uns verwalteten Router nehmen“ akzeptiere ich nicht.

Die Digitale Gesellschaft

Der Digitale Gesellschaft e.V. lehnt die Pläne der Bundesregierung zur gesetzlichen Verankerung des Routerzwangs ab und kritisiert sie als unzeitgemäß und verbraucherfeindlich.
Der aktuelle Referentenentwurf zur Transparenzverordnung erlaubt es Telekommunikationsunternehmen implizit, ihren Kundinnen und Kunden zu verbieten, die angebotenen Zugangsdienste über beliebige Router zu nutzen. Vielmehr können die Unternehmen Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin zwingen, ausschließlich mitgelieferte Router zu verwenden und dafür über die gesamte Laufzeit des Vertrages Mietgebühren zu entrichten. Der Referentenentwurf verpflichtet die Unternehmen darüber hinaus lediglich dazu, Kundinnen und Kunden über Gerätefunktionen und -restriktionen zu informieren. Damit setzt sich die Bundesregierung in offenen Widerspruch zur Koalitionsvereinbarung, in der die Beseitigung des Routerzwangs explizit vorgesehen ist.

Alexander Sander, Geschäftsführer des Digitale Gesellschaft e.V., kommentiert: “Der Routerzwang ist weder zeitgemäß noch verbraucherfreundlich. Wenn man die Menschen einerseits dazu auffordert, selbst für einen besseren Schutz ihrer Daten im Netz zu sorgen, kann man sie nicht gleichzeitig dazu zwingen, Geräte zu verwenden, denen sie nicht trauen. Daran ändert auch die vorgesehene Informationspflicht nichts, da Verbraucherinnen und Verbraucher damit in das Dilemma gebracht werden, sich zwischen ihrem bevorzugten Netzzugang und dem vorgeschriebenen Router zu entscheiden. Auch wird die Information ihnen wenig nützen, wenn sich die großen Telekommunikationsunternehmen geschlossen für Zwangsrouter entscheiden. Schließlich wird am völligen Abrücken von der Koalitionsvereinbarung deutlich, dass die Bundesregierung in Fragen der Digital- und Netzpolitik rumeiert, statt mit einem stimmigen Konzept für eine digitale Gesellschaft aufzuwarten.”

https://digitalegesellschaft.de/2014/09/routerzwang-unzeitgemaess/

Weitere interessante Quellen:

http://www.n-tv.de/technik/Routerzwang-fuer-Kunden-soll-bleiben-article13673611.html

https://fsfe.org/activities/routers/routers.de.html

http://www.heise.de/netze/meldung/Bundesnetzagentur-antwortet-auf-Protestschreiben-zum-Thema-Zwangsrouter-2405114.html

http://www.golem.de/news/bundesnetzagentur-wir-koennen-routerzwang-gar-nicht-abschaffen-1410-109565.html

PDF: http://2014.konsumentenbund.de/sites/default/files/Gemeinsame_Stellungnahme_zur_Anhoerung_der_Bundesnetzagentur_betreffend_die_Mitteilung_Nr._398-2013_%28Zwangsrouter%29.pdf

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